Interview - A Lifelong Passion

Interview - A Lifelong Passion

For the english verion, please see below

Franz ist einer der beiden Photographen, welche unter dem Pseudonym und Motto „panta rhei“ ihre Arbeiten präsentieren. Sein photographisches Schaffen reicht jedoch weit über die Gründung von „panta rhei“ hinaus. In diesem Gespräch gewährt er erstmals einen sehr detaillierten und persönlichen Einblick in seine mehr als 40-jährige Tätigkeit mit Kamera und Film.

Wie haben sie den Einstieg in die Photographie gefunden?

Im Alter von 14 Jahren bekam ich zur Konfirmation von meinem Onkel meine erste Kamera, eine Kodak Instamatik, sowie 3 Blitzwürfel geschenkt.  Die Kamera besaß keinen Belichtungsmesser und zum Scharfstellen gab es lediglich die Möglichkeit einer Zoneneinstellung. Ich fotografierte hauptsächlich Familie und Verwandte aber auch meinen Hund. Ab diesem Zeitpunkt war die Photographie aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken.

Würden Sie sich in dieser frühen Phase als „Familienphotograph“ bezeichnen?

Ja und Nein. Natürlich fotografierte ich weiterhin Familienmitglieder, aber es ging mir nicht ausschließlich um das Festhalten von familiären Ereignissen, sondern vielmehr um den Menschen als ästhetisches Subjekt. Mit meiner nächsten Kamera, einer Ricoh Spiegelreflex mit 50mm Objektiv und Telekonverter arbeitete ich bald fast ausschließlich an Porträts. Als Modelle dienten mir damals meine Klassenkolleginnen und Klassenkollegen. Meine Fokussierung auf das Porträt des Menschen blieb eigentlich bis ans Ende der Maturareise, welche sowohl photographisch als auch persönlich eine Zäsur in meinem Leben darstellte.

Was veränderte sich in Ihrem Leben?

Meinen Einstieg ins Berufsleben fand ich im Unternehmen meines Vaters, dass ich schließlich als Geschäftsführer und Eigentümer weiterführte. Durch das regelmäßige Einkommen konnte ich mir die damals kostspielige Photographie finanzieren. Dies erweiterte meine photographischen Möglichkeiten enorm. Ich erwarb eine Nikon F2A Photomic gefolgt von einer Canon F1. Die Möglichkeiten meiner Leidenschaft nachzugehen multiplizierten sich.

Apropos Leidenschaft, Sie waren damals ja auch sehr aktiver und erfolgreicher Turnierschachspieler?

*Lacht* Als erfolgreich habe ich mich nie wirklich gesehen, aber das streng logische, kompetitiv-leistungsorientierte Schachspielen war für mich doch stets ein starker Gegenpol zur Photographie, welche mehr meine Kreativität forderte.

Um zur Photographie zurückzukommen: Gerade in dieser Phase widmeten Sie sich intensiv einem Thema...

... der Aktphotographie. Dies war für mich der nächste logische Schritt in meiner Arbeit. Ich würde sagen, dass ich mich stets auf der Suche nach dem Schönen befinde. Damals wurde mir klar, dass das Ästhetische auch abseits des für jeden auch öffentlich sichtbaren Gesichtes zu suchen ist. Ich arbeitete sehr intensiv in meinem Studio, hauptsächlich in Schwarz-Weiß mit einer Zenza Bronica SQ-Ai Mittelformatkamera (Aufnahmeformat 6x6 Anm. der Redaktion) und dem Leica R-System.

Sie waren damals häufig auf Ausstellungen anzutreffen?

Das stimmt, doch war die Veröffentlichung der Bilder nicht das vordergründige Ziel für mich, sondern meinen Profi- aber auch Amateur-Modellen am Ende ansprechende Aufnahmen übergeben zu können. Jemanden mit einem Bild von seiner selbst Freude bereiten zu können diente mir als Bestätigung für meine Suche nach dem Ästhetischen.

Was war für Sie neben dieser „Suche nach dem Ästhetischen“ wichtig?

Ich würde hier sagen, dass die Ästhetik die Klammer über meinen Arbeiten ist. Als Thema neben der Menschenphotographie war jedoch auch das dokumentarische Arbeiten an sich für mich wichtig. Besonders die damals oft rasche Veränderung des menschlichen Lebensumfeldes, besonders der Bauwerke in Städten, faszinierte mich. So fotografierte ich auch Architektur mit meiner Mamiya 7II, welche ich gelegentlich auch im Studio nutzte.

Sie sind aber nicht bei der Aktphotographie geblieben?

Bis zum Jahr 2000 habe ich mich schrittweise von der Aktphotographie entfernt und immer weniger und weniger im Studio fotografiert. Es war mir letzten Endes klar geworden, dass ich in der kontrollierten Umgebung meines Studios - in dieser mehr oder weniger inszenierten Atmosphäre - ein wesentlicher Teil der Schönheit außen vor blieb. Die Schönheit des Alltäglichen. Mit meiner Leica M6 versuchte ich, die Besonderheiten des Gewöhnlichen im öffentlichen Raum festzuhalten, während ich mit einer Mamiya 6x7 nach wie vor Veränderungen im Stadtbild dokumentierte.

In dieser Zeit erschien immer mehr die Digitalphotographie auf der Bühne. Wie erlebten Sie diese Zeit?

Meine Photographenkollegen vollführten schon sehr bald den Wechsel von Analog auf Digital. Um den "Trend" nicht zu verpassen, erwarb ich eine Olympus E-20P Digitalkamera, welche damals überaus kostspielig war. Fotografiert habe ich mit der Kamera aber so gut wie nie. Stattdessen arbeitete ich weiter mit meiner Leica M6, entwickelte Filme und fertigte Abzüge in meiner Dunkelkammer an.

Haben Sie sich dem digitalen Trend weitgehend entzogen?

Leider nein. Damals verbreiteten sich panikartig die Meldungen übe das Ende der Filmindustrie und sowohl Profis als auch Amateure verkauften völlig unüberlegt ihre einst geliebte Ausrüstung. Die Analogphotographie wurde für tot erklärt. Damit brach für mich eine Welt zusammen. Ich stürzte in meine größte Schaffenskrise. Die Analogphotographie, welche mich seit meiner frühesten Jugend begleitet hat, hatte angeblich ihr Ende gefunden. Im Angesicht dieser Stimmung wechselte ich schließlich doch zur Digitalphotographie. Meine Laborausrüstung landete auf dem Müll und meine Analogen Fotokameras verkaufte ich. Ständig wechselte ich meine Kameramodelle, nicht weil ich mit der Bildqualität nicht zufrieden war, sondern weil ich mit keiner dieser Kameras meine Arbeiten fortsetzen konnte. Digitalphotographie war für mich keine richtige Photographie, der Prozess fehlte. Dies führte soweit, dass ich faktisch nicht mehr fotografierte sondern nur noch Kameras wechselte. Am Ende entsorgte ich den Großteil meiner Negative und Abzüge.

Wie haben Sie diese Krise überwunden?

Eigentlich mit der Rückkehr zur Analogphotographie. Mit einer Olympus OM-4 begann ich wieder, mehr zu fotografieren. Vor kurzem erwarb ich eine Olympus OM-1, eine Kamera, welche ich in meinen Anfangsjahren immer schon besitzen wollte. Für viele Arbeiten verwende ich auch eine Pentax 67II Mitteformatfilmkamera sowie gelegentlich eine Mamiya C330f 6x6 Mittelformatfilmkamera.

Lehnen Sie die Digitalphotographie ab?

Ganz im Gegenteil! Sie stellt mittlerweile eine wichtige Ergänzung für mich dar, da sie gewisse Annehmlichkeiten bietet, welche das Arbeiten mit Film vermissen lässt. Sie wird aber die analoge Photographie für mich nie ersetzen können, sondern nur ergänzen. Dass dies nicht nur für mich zutrifft, hat das ausbleibende Verschwinden des Films meiner Meinung nach belegt.

Noch zwei Fragen zum Abschluss:

Nummer 1: Was würde Sie als bedeutendstes photographisches Werk bezeichnen?

Eine kombinierte Serie von Porträts und Akte von meiner Frau Maria.

Nummer 2: An welchem Projekt arbeiten Sie derzeit?

Ich möchte nicht zu viel verraten, nur so viel: Es geht um die Architektur des Konsums. Es handelt sich in erster Linie um eine dokumentarische Arbeit mit kritischem Unterton.

Vielen Dank für das Gespräch!

ENGLISH VERSION

Franz is one of the two photographers who publishes his works under the pseudonym and credo „panta rhei“.His photographic career started a lot earlier than the founding of the “panta rhei” project. In the following interview, he shares his very personal insights after more than 40 years working with film and camera.

What was the starting point of your photographic career?

At the age of 14, as a confirmation gift, I got my first camera from my uncle- a Kodak Instamatic with 3 Flash Bulbs. The camera had no exposure meter and only a scale focusing system. I took photos mostly of my family, relatives and my dog. From this time on, photography became an integral part of my life.

At this early stage, would you call yourself a „family photographer“?

Kind of. I continued taking pictures of family members, of course, but I did not solely focus on family events. I was interested in eople as aesthetical subjects. With my new camera, a Ricoh SLR with a 50mm lens and a teleconverter, I took portraits of my classmates. I sticked to this style of photography until I finished my general qualification for university entrance. The exam was a turning point both in my personal and photographic life.

What changed in your life?

First and foremost, I entered working life in the company of my father, where I finally became CEO. My regular income helped me to finance the then-quite expensive photography. The possibilities for my photographic work multiplied. I bought a Nikon F2A Photomic followed by a Canon F1. Both were fantastic cameras.

At that time, photography was not your only passion. You have been a very succesful competitive chess player.

*Laughs* I would not call myself a succesful chess player, but chess was very important for me. The pure logical thinking was an essential antipole to my creatively demanding work as a photographer.

So let us get back to photography. You changed your style and started working on…

… fine-art nude photography. It was the next logical step for my development as an artist. My work focused on faces, but I soon realised that I have to depict the beauty which is not visible in everyday life. I worked a lot in my studio with black and white film, my Zenza Bronica SQ-Ai medium format camera (note: 6x6 format) and with the Leica R-System.

Your photographs were featured in a lot of exhibitions.

That’s true, but presenting my pictures to the public was never the most important thing to me. Far more important was to create pictures appealing to my amateur and professional models. To me, creating a pleasing picture of somebody was a kind of an affirmation for my search for aesthetic qualities.

What else was important to you, apart from your search for aesthetic qualities?                  

Aesthetic qualities have always been the essential framework for my works. But apart from people photography, documentary photography was very important to me. Due to the construction boom, the living environment in the cities changed quickly. I photographed the changing scenery with my Mamiya 7II, which I also used for my studio work from time to time.

So you did not stick to fine-art nude photography, did you?

No I did not. Until the year 2000, I continuously disassociated myself from nude photography and studio work in general. I felt the urge to look for aesthetic qualities outside of the controlled studio environment and apart from staged shots. I finally found  the beauty I was looking for in everyday street life. With my Leica M6 I photographed scenes in the streets and with my Mamiya 6x7 I continued documenting changes in the urban environment.

At that time, digital photography emerged. How was your “first encounter”?

My fellow photographers soon changed from analogue to digital. Not willing to miss the upcoming “trend”, I bought an Olympus E-20P digital camera, which was quite expensive those days. Ironically, the camera got only little use because I continued working with my film cameras, first and foremost with my Leica M6. I developed film and produced prints in my darkroom.

So you did not jump onto the “digital train” at all?

Unfortunately I did. During that time, rumors spread about the end of film industry and pros and amateurs alike sold their once beloved equipment. Analogue photography was declared dead. My world collapsed and I plunged into a big creative crisis. Analogue photography, which was an integral part of my life since my early youth, should cease to exist. It was a nightmare. So I finally changed to digital photography. I disposed my laboratory equipment and sold my analogue cameras and lenses. From now on, I started changing cameras frequently. Not because of the image quality, but because I was unable to continue my work without film. The process was too different. In the end, I even trashed my negative archive and almost quit photographing.

Almost? How did you overcome the crisis?

By returning to analogue photography. With an Olympus OM-4, I started photographing again. Recently, I purchased an Olympus OM-1, a camera I always wanted to use since my early years. For most of my works, I now use a Pentax 67II medium format film camera and sometimes a Mamiya C330f 6x6 medium format film camera.

Do you reject digital photography?

Absolutely not! It has become an important addition to my analogue tools and offers convenience and possibilities which are not possible with film cameras. But it is no substitute to film photography. That must be true for a lot of photographers, as the film industry just got smaller but did not vanish,

Two quick, final questions please.

First question: To you, what is your most important photographic work?

A combined portrait and nude series of my wife Maria.

Second question: Can you tell us something about your current project?

It is about commercial architecture. First and foremost it is a documentary project with a critical undertone.

Thank you very much for the interview!

Sneak Peak: Upcoming Exhibitions

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