Analog(ien) - Beschränkung

Beschränkung

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Photographie bedeutet Beschränkung. Welchen Ausschnitt nehme ich auf? Welchen Abstand wähle ich? In welchem Moment drücke ich auf den Auslöser? Welches aufgenommene Bild bewahre ich auf und welches verwerfe ich? Mit der Verwendung einer Filmkamera unterliegt man einer entscheidenden Beschränkung: Die geringere Anzahl an verfügbaren Aufnahmen im Vergleich zur Speicherkarte.

1 bis 36

Ein Kleinbildfilm für den professionellen Gebrauch ermöglicht 36 Aufnahmen, eine Speicherkarte meist weit über 500 Aufnahmen. Da man einfach mehr Filme mitführen kann, ist die geringere Zahl an möglichen Aufnahmen, abgesehen vom finanziellen Aspekt, nur bedingt limitierend.

Besonders ist jedoch, dass jede getätigte Aufnahme nicht nur in Form von Daten und elektronischen Signalen, sondern immer auf dem haptisch erfahrbaren Medium Film vorliegt. Das Geschaffene erhält dadurch eine Verbindlichkeit und Realität, wie sie beim Digitalbild nur durch den Druckprozess entsteht. Die eigene kreative Leistung hat unwiderruflich den Weg in die Wirklichkeit geschafft. Sowohl der Erfolg als auch der Misserfolg werden dem Künstler unmittelbar vor Augen geführt. Auf dem Kontaktabzug ist die gute Aufnahme neben der Schlechten, das scharfe Bild neben dem Verwackelten und dem Unterbelichteten. Wählt man also ein gutes Bild auf einem Negativstreifen zur Entwicklung aus, wird man beim Einlegen in den Vergrößerer indirekt an die Unzulänglichkeiten des benachbarten Bildes erinnert. Diese Erinnerung ist elementar. Sie verdeutlicht den Schaffensprozess, den Weg zum Ziel und verleiht letztlich auch der konstruierten Realität der guten Aufnahme besondere Autorität.

Das gelöschte digitale Bild vermag dies dem Photographen bei Weitem nicht so deutlich vor Augen zu führen.

.Thomas